Wilfried Bauer sah, wie keiner sah, sein Blick war unverwechselbar und autonom. Bis zu seinem Tod im Jahr 2005 schuf der Hamburger Fotograf ein Oeuvre von unerhörter Qualität und Vielfalt.

Früh schon entwickelt Bauer, ein Schüler Robert Häussers, eine eigene, expressive wie subjektive Bildsprache. Der Einzelgänger verbirgt sich hinter der Kamera, hält mit ihr die Welt auf Distanz. Zugleich nimmt er durch sie Kontakt auf, zeigt Seelenlandschaften in längst Bekanntem, lädt Banales auf mit tieferem Sinn. Der Fotograf als Poet, als Übersetzer, dem es gelingt, Unsichtbares sichtbar zu machen.

In den siebziger, achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist Bauer einer der gesuchtesten und erfolgreichsten Reportage-Fotografen in Deutschland; seine Serien werden millionenfach gedruckt. Er findet seine Sujets auf unzähligen Reisen, die er für FAZ Magazin, ZEITmagazin, stern, GEO, Merian und SPIEGEL in alle Welt unternimmt. Er findet sie aber auch am Küchentisch, in seinem unmittelbaren Umfeld und in der Haseldorfer Marsch.

Die Ausstellung "Be Poetic" aus dem Archiv des Fotografen präsentiert Fragmente des großen Lebenswerks. Sie umfasst von frühen fast abstrakten Landschaftsbildern über Reportageaufnahmen und Selbstporträts bis zu Natur- und Pflanzenstudien aus den 1990er Jahren. Es sind Motivserien, zusammenhängende und sich ergänzende Reihen, aber auch Einzelbilder.

Die teilweise Zerstörung seines Archivs durch das Feuer, das der Fotograf vor seinem Suizid in der Wohnung legte, beschränkt die Verfügbarkeit der Motive. Einmal mehr stellt sich die Frage nach der Zukunft von fotografischen Archiven und Nachlässen. Im Falle Wilfried Bauers ermöglicht  der engagierte Einsatz von Dr. Ute Schreiner, der Stiftung F.C. Gundlach, der Martha Pulvermacher Stiftung und der Rudolf Augstein Stiftung die Erhaltung, Erschließung und nun diese erste Ausstellung aus einem außerordentlichen Lebenswerk.


Biographie

Wilfried Bauer (* 21. September 1944 in Ingelheim am Rhein, † 5. Dezember 2005 in Hamburg) kam durch seine Eltern, die ein Fotostudio in Kandel (Pfalz) führten, schon früh in Berührung mit der Fotografie. Dort eignete er sich zunächst als Autodidakt eine sehr eigenständige Bildsprache an und gewann zwischen 1962 und 1968 mit seinen sehr eindringlichen Aufnahmen fünf Mal den Deutschen Jugendfotopreis.

Nach einer Fotografenlehre bei seinem Vater Jakob Bauer war er von 1964 bis 1968 Assistent von Robert Häusser in Mannheim. Wie Häusser war Bauer später sowohl als Auftragsfotograf als auch als freier Fotokünstler tätig und wurde stilprägend für die Fotografie in Deutschland.

Seit 1969 war Wilfried Bauer als festangestellter Fotograf beim ZEITmagazin tätig, seit 1976 freiberuflich auch für das FAZ-Magazin, den stern, den SPIEGEL, GEO und Merian. Bis in die 1990er Jahre gehörte er zu den gefragtesten deutschen Reportagefotografen.

Reportage, Porträt, Landschaft und Naturstilleben bilden die Schwerpunkte seines Lebenswerks.

Wilfried Bauer nahm sich im Dezember 2005 61-jährig das Leben. Bei dem von ihm gelegten Brand in seinem Archiv wurden Teile seines Werks vernichtet. Erhalten geblieben sind dennoch Tausende hervorragender Fotografien – Abzüge, Negative und Diapositive –, die heute in der Stiftung F.C. Gundlach in Hamburg bewahrt werden.